Mit Holzstativ und Batteriegriff bei Nikon DX bleiben

(Der Beitrag wurde im Sept 2015 aktualisiert).
Neulich quälten mich ein paar Nachtgeister und flüsterten mir ins Ohr … wenn Du richtig fotografieren willst, steige auf etwas größeres um! Und das wäre Kleinbild, also FX. Hm. Was ist denn richtig fotografieren? Und wieso hängt das von der Sensorgröße ab? Kann man das nicht auch mit DX? Ich bin nicht der einzige, der sich (wieder und wieder) mit diesen Fragen quält, dazu gibt es ja schon unzählige Forenbeiträge, offizielle Vergleiche etc. Allgemein heisst es, es gibt diese Unterschiede:

technischer Vergleich, Vorteile von DX

  • Kamera und Objektive sind leichter, reisetauglicher
  • Kamera und Objektive sind preislich günstiger
  • Crop-Faktor erlaubt Brennweitengewinn im Telebereich

technischer Vergleich, Vorteile von FX

  • größere Sensoren, besser bei Dämmerung und Nacht (weniger Rauschen)
  • lichtstärkere Objektive
  • besseres Freistellpotenzial als bei DX

Meine Anforderungen sind; geringes Gewicht, kleiner Preis, sehr gute Abbildungsleistung. Aber auch genügend Weitwinkel für Architektur- und Städtefotografie.
Was heißt das in der Praxis? Machen wir mal den Faktencheck und vergleichen ein Nikon D7100 (DX) gegen ein Nikon D610 (FX) Equipment. Die Zahl vor PMP ist der Seite DxoMark entliehen und soll einen Eindruck geben, wie geeignet das Glas für den Sensor ist. Die maximal erreichbare Zahl ist wegen der Sensorauflösung von beiden Kameras 24PMP. Das sich der Sensor mit dem Nachfolger der D7100, der Nikon D7200, nicht geändert hat, sollte die nachfolgende Betrachtung auch für die D7200 gelten. Ähnliches gilt für die Nikon D750, die den gleichen Sensor wie die Nikon D610 hat.

Auf der D7100 Seite wären folgende Gläser meine Wahl (Zooms):

Summiert man den aktuellen Preis (Sept 2015) und das Gewicht kommt man auf 500+670+1050=2220 EUR und 898g+850g+798g=2546g.

Für die D610 wären folgende Gläser meine Wahl (Zooms):

Summiert man den aktuellen Preis (Sept 2015) und das Gewicht kommt man auf 1550+1450+1850 = 4850 EUR und 998+1500g+898g=3396g (bei 70-200mm f4 nur 4070 EUR und 2746g).

Das Nikkor 70-200mm f4 bietet bei FX tatsächlich eine bessere Schärfeleistung als das 70-200 f2.8 – wenn man ersteres Objektiv als Kandidaten wählt, sind der Gewichtsunterschied zwischen FX und DX gerade mal zwei Tafeln Schokolade, das ist nicht so erheblich. Preislich muss allerdings doppelt soviel investiert werden bei FX als bei DX.
Im Fazit sind FX Linsen nur wenig schwerer als DX, das ist vernachlässigbar. Wer FX kauft, muss aber merklich tiefer in die Tasche greifen. Zumindest bei der von mir getroffenen Auswahl.
Hinsichtlich der Schärfeleistung ist das Sigma dem Nikkor als Standardzoom überlegen – es gibt keine FX Linse in dem Brennweitenbereich, die dem Sigma das Wasser reichen kann. Praxistests bestätigen die enorme Schärfe des Objektivs. Im Weitwinkel und im Tele ist die Abbildungsleistung vom FX wesentlich besser als bei DX, wobei praktisch das Tokina gefühlt schärfer ist als auf dem Papier.

Wie sieht das für Festbrennweiten aus?

Auf der D7100 Seite wären folgende Gläser meine Wahl (Festbrennweite)

Summiert man den aktuellen Preis (Sept 2015) und das Gewicht kommt man auf 480+180+535=895 EUR und 305g+186g+349g=840g.Im Fall der 35mm DX Linse wären es nur 585 EUR und 735g.

Für die D610 wären folgende Gläser meine Wahl (Festbrennweite, CarlZeiss Objektive wurden absichtlich nicht betrachtet):

Summiert man den aktuellen Preis (Sept 2015) und das Gewicht kommt man auf 750+750+1350=2850 EUR und 665g+815g+595g=2075g. Tatsächlich ist es möglich, bei FX mehr als das dreifache auszugeben bei 2.5-fachem Gewicht. Andererseits glaube ich, dass man auch mit den 1.8er Kandidaten gut leben kann. Zumindest wird dies in einigen Foren und Podcasts im Direktvergleich beschrieben – die zusätzliche Freistellmöglichkeit und Lichtstärke ist recht begrenzt, um ein Bild auch an den Rändern scharf zu bekommen muss ohnehin meist abgeblendet werden.

Fazit und ein paar Tips

Die allgemein bekannten Unterschiede konnten im Faktencheck nachgewiesen werden. FX ist größer und schwerer, wenn auch nicht viel, aber der Objektivpark kann (deutlich) teurer ausfallen. Schauen wir uns nochmal die übrigen Argumente für FX an.

  1. Lichtstärkere Objektive. Die kann ich genauso für DX nehmen, nur die Brennweite ist durch den Cropfaktor eine andere.
  2. Besseres Freistellpotenzial. Das stimmt wohl, kann aber auch manchmal ein Problem werden, wenn die Schärfetiefe zu gering ist. M.E. hängt das viel stärker von der Qualität und Offenblende des Objektivs ab, als vom Sensor. Außer in der Portraitfotografie finde ich dies vernachlässigbar.
  3. Weniger Rauschen durch größeren Sensor. Das stimmt wohl. Aber einen Unterschied macht das erst bei schlechter Beleuchtung und metergroßen Wandausdrucken, sonst sieht man den Unterschied kaum.

Bleibt nur noch der emotionale Faktor. Size matters. Das ist leider so in unserer Welt. Wenn ich mit einer FX Kamera und dem 24-70mm Oschi antrete, Holzstativ dazu, dann denken die meisten, wow, der ist Profi, der hat’s drauf, da mache ich mal Platz. Wenn ich mit einer kleinen Systemkamera und kleinen Festbrennweite antrete, klappriges Reisestativ da drunter, bin ich Amateur, da werde ich belächelt. So einfach ist die Welt.

Tatsächlich steigen einige Fotografen von DX nach FX um, einfach, um anders wahrgenommen werden. Ich für mich habe wieder mal entschieden; ich bleibe erstmal bei DX. Vielleicht interessiert mich das Geschwätz morgen von heute nicht mehr. Der Mehrwert und Aufpreis für ein FX-System würde nur lohnen, wenn ich täglich fotografieren würde oder dies mein Beruf wäre.
Aber ich habe hier noch einen Tip für DX Fotografen: Einfach einen Batteriegriff Nikon MB-D15 runterschnallen, und das Sigma 18-35mm f1.8 dran, und die Gegenblende bekleben. Das macht dann genauso Eindruck als emotionalen Faktor. Achso und das Holzstativ nicht vergessen!

8 Comments to "Mit Holzstativ und Batteriegriff bei Nikon DX bleiben"
  • Hallo,

    wenn man DX auf FX umrechnet, dann müsste man wohl auch die Blende umrechnen. Ein 50mm1.8 wirkt an DX folglich wie ein 75mm 2.8. Das ist beinahe der einzige Grund, der mich mit FX liebäugeln lässt, dass bei gleicher Öffnung des Objektivs der Sensor mehr Licht erhält!

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    • Hallo,

      ja das stimmt. Letzten Endes finde ich allerdings den Investitionsabstand entscheidend – man muss schon deutlich investieren, um einen sichtbaren Unterschied zwischen DX und FX zu sehen. Für mich lohnt sich das aktuell nicht, aber vielleicht ändere ich meine Meinung noch.

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    • Woher haben Sie das? Relative Öffnung bleibt relative Öffnung, egal, was für einen Bildkreis Sie dahinter haben. Auf deutsch: Die Blende verändert sich nicht.

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      • Hallo,
        ich glaube da ist etwas durcheinander geraten. Richtig, die Blende verändert sich nicht. Wenn Sie aber ein m4/3-Objektiv, z.B. das M.Zuiko 12mm f2.0 mit FX / Kleinbild vergleichen wollen, so entspricht dies einem Objektiv mit 24mm Brennweite und einer Lichtstärke ~f3.5-4.0. Wird auch hier erklärt.

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  • Nun, ich habe es jetzt getan: Zu meiner D7000 ist die D750 hinzugekommen.
    Vom Gewicht tun sich die beiden kaum etwas. Ich bin gespannt, ob sich die Investition “lohnt”, soweit man bei einem Hobby überhaupt davon sprechen kann. Neben dem Klappdisplay, das manchmal ganz nützlich ist, kann ich mir nun auf jeden Fall die Anschaffung eines Weitwinkelobjektivs wie dem Tokina 11-18mm sparen.
    An der D7000 gehört das 18-35mm 1.8 von Sigma zu meinen meistgenutzten Objektiven, an der D750 nutze ich Festbrennweiten von 14 bis 150mm.

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  • Ein wunderbarer Bericht der genau in meine Kerbe passt.
    Ich habe erst begonnen mit kleinen Kompaktkameras Fotos zu machen. Mit mässigem Ergebnis. Erst mit der D5200 im Jahr 2014 angefangen wirklich Fotos zu machen und mich mit den wahren Faktoren der Fotografie zu beschäftigen. Danach sofort die Ergebnisse Vergleichen, weil da waren diese Superweitwinkelfotos in Zeitschriften und wie gut diese mit einer FX gemacht wurden.
    Fazit, na ja das sind Profis mit bester Ware und die können eben besser Fotografieren und dadurch auch der Unterschied.
    Bis ich Fotos von Profis gesehen habe welche auch das DX Format verwenden damit bestens Umzugehen wissen.
    Daraus hab ich erkannt, dass 50% der Mensch hinter der Kamera beiträgt.
    Der Rest ist trotzdem eine gut Kamera und ein noch bessere Optik.
    Ich habe mit den Objektiven Nikkor AF-S 35 F 1.8 G DX, dem Nikor 85 F1.8 G und einem Tamron SP AF 17-50 F/2.8XR Di II VC LD die besten Ergebnisse.
    Jedoch will man sich verbessern in Grenzsituationen auch wie im FX Format noch gute Klicks bekommen. Einige Monate habe ich verglichen FX D750 oder die neue DX D500.
    Nun da ich die oben genannten Objektive habe und dann doch nicht wirklich auf die FX Objektivmodelle umsteigen wollte hab ich mir die DX Nikon D500 im Sommer gekauft und bin überzeugt, dass der rechnerische Corpfaktor der einzige Unterschied zwischen DX und FX ist.
    Nun liegt es nur mehr an mir, die 50% hinter der Kamera zu verbessern.

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  • Ach vergessen; ein Holzstativ habe ich auch nicht. Dennoch hab ich immer ein leichtes Aluminium-Magnesium Dreibeinstativ mit Kugelkopf dabei und bemerkt, allein schon wenn man ein Stativ aufstellt wird man begafft denn das ist nicht mehr in. Heute hat man Handy und eine Selfystange. Sorry, Jeder wie er will. Doch dort wo gute Foto gemacht werden kommen Handys “noch” nicht hin.

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  • Ein FX Sensor mit 24MP ist immer besser als ein vergleichbarer APS-C. Das wäre auch offensichtlich, wenn nicht immer nur halbrichtige Argumente für den Gegenbeweis herhalten müssten. Das fängt bei der Auswahl der Objektive an. Für die meisten Festbrennweiten und Zooms gibt es keine DX-Varianten. Die DX-Variante eines 50mm F1,8 müsste z.B. ein 35mm F1,1 sein um auch den Unterschied in der Tiefenschärfe in etwa auszugleichen.

    Es betrachten viele Leute ein 24MP Bild auf einem 2MP Monitor oder Fotos die auf Webauflösung reduziert wurden. Dann werden auch gerne Vergleiche benutzt, die den Test in Richtung eines Vorteils für DX verschieben, weil der Testbereich wo DX gar nicht antreten kann ausgespart und eben auch nicht erwähnt wird. Sowohl bei offener Blende (Tiefenschärfe) als auch bei geschlossener Blende (Beugungsunschärfe) hat DX Nachteile, die sich auch durch sämtliche Tricks nicht kompensieren lassen.

    Der einzige Vortel den DX immer hat ist die “Brennweitenverlängerung”. Zumindest so lange es keine FX-Sensoren mit einer vergleichbaren Pixeldichte gibt. Gut für Tierfotografie, wenn es an Reichweite fehlt, wechselt man einfach die Kamera. Wer dem Mythos folgt, dass Objektive an Crop-Kameras doch den Sweet Pot benutzen und demnach weniger unter Randproblemen leiden, der müsste auch argumentieren, dass noch kleineres Sensoren noch besser für Objektive sind. Im allgemeinen ist die Qualität einer Crop-Kamera in diesem Szenario der Qualität einer FX-Kamera mit Telekonverter überlegen.

    Das FX-Objektive teurer sind als DX ist auch wohl der größte Mythos. Niemand würde auf die Idee kommen und darüber diskutieren, dass die Reifen für einen Toyota Prius billiger sind als für einen Porsche. Hier wird aber so getan, als wären gleichwertige Linsen für DX billiger als für FX. Natürlich ist Nikons Heilige Dreifaltigkeit teuer. Nur hat Nikon nichts vergleichbares für DX am Start und billigere Objektive sind eben grundsätzlich schlechter. Bei den DX-Linsen gibt es bei Nikon nur 2 die ein Ausreisser nach oben sind: das 35mm DX F1,8 und das 12-24mm DX F4. Die dann übrigens überraschenderweise auch gut an FX (ohne Crop-Mode!) funktionieren. Ansonsten hat man noch eine Latte an mehr oder weniger sinnvollen Xfach-Zooms.

    Nun wird aber immer so getan, als bräuchte eben jeder unbedingt teure 2,8er Zooms für FX. Nikon hat auch abseits dieser 3 Zooms schon gute Objektive gebaut (was übrigens Sigma erst noch beweisen muss) und die meisten werden nicht auch noch die letzten 5-10% an Qualität brauchen. Abseits einer gewissen Randunschärfe ist es natürlich für eine Optik schwieriger 24 Megapixel auf einem kleinen Sensor aufzulösen als auf einem größeren.

    Der Abstand zwischen DX und FX ist kleiner geworden. Was aber grundsätzlich nichts daran ändert, dass FX besser ist und man den Unterschied in vielen Situationen auch sehen kann. Genauso wie bei einem Vergleich mit noch kleineren Sensoren. Wer sich für DX entscheidet, entscheidet sich für das billigere System und sicher nicht für “fast wie FX”, weil er so clever ist. Das ist eine ökonomische Überlegung, die spätestens dann relativiert wird, wenn jemand jemand sieht, dass mit einer DX-Kamera und guten Objektiv nicht bessere Ergebnisse bekommt als jemand mit einer FX-Kamera und einem älteren, Second Hand Objektiv.

    Es stimmt übrigens tatsächlich, dass kleinere Sensoren weniger Licht einfangen als größere. Das hat nichts mit dem Belichtungsdreieck (Blendenöffnung) zu tun und führt regelmäßig zu Verwirrungen. Hier geht es mehr um das Signal to Noise Ratio. Ohne das jetzt erklären zu wollen, hilft vielleicht folgende Überlegung:
    Wo sollte denn die gleiche Lichtmenge auf dem kleineren Sensor hin? Deswegen sind die Bildwinkel bei gleichem Objektiv doch auch unterschiedlich.

    In den flickr Gruppen D7200 Portrait und D750 Portrait kann sich jeder die Unterschiede der Sensoren ansehen. Dazu nimmt man vorzugsweise Headshots von europäischen Frauen und achte besonders auf Haare und Lippen. Warum? Dort hat man die größte Chance Photoshop bei der Beurteilung auszuweichen. Hautstruktur funktioniert nur, wenn sie nicht künstlich zu stark verfremdet wurde. Für diese Unterschiede braucht es keine Extremsituationen oder ISO 10.000.

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